Montag, 29.07.2013

Ein Paar nachgeworfene Bilder

Montag, 29.07.2013

Ein paar Reiseeindrücke

Ich wurschtel ein bisschen in meinem Ordner herum, und da entdecke ich doch tatsächlich noch ein paar alte Aufschriebe. Als Schwerpunkt für diesen Eintrag steht wohl der Norden Namibias den ich nun, nachdem ich bereits mit meinen Ältern im März dort war, nun ende Juni/ anfang August nochmals mit anderen Freiwilligen bereisen durfte.

Ausschnitt März:

Zack, mein Kopf schnellt wie von alleine wieder nach vorne. Einen Moment erreiche ich mein waches Bewusstsein, bis ich doch wieder mit dem Kopf langsam nach hinten sinkend in einen holprigen Schlaf zurückfalle. Ab und zu kommt ein “ Springbock “ oder “Oryx” an mein Ohr. Auch wenn ich versuche, mich durch Begeisterung für die vielen Antilopen wieder etwas wach zubekommen, kippt mein Kopf doch wieder unkontrolliert von einer Seite zur anderen. Einfach zu müde. Trotzdem gebe ich nicht auf, und irgendwann sitze ich wieder mit meinen Eltern und Kobus, dem Guide, im Geländewagen. Wir fahren durch die Trockenflussbetten des Hoanib, oberhalb von Sesfontein in der Kuneneregion. Die Landschaft besteht aus Wüste und kahlen Bergen, zwischen denen die grüne Ader des Wassers, wenn meist auch nur unterirdisch fließend, eine Oase schafft. Wir sehen viele Oryxantilopen und Springböcke. Letztere springen hier, wenn man sich zu nah an sie heranwagt in hohen Sätzen davon, was ihre Kollegen im Etosha - Nationalpark, wie mir auffiel, aus Gewohnheit an die Menschen bereits nicht mehr tun. Auf  dem ersten Stück von Sesfontein bis in das Tal haben wir bereits einige Strauße gesehen. Warum die Lodge am Rande des Tales geschlossen wurde, versteht man, wenn man die Löwenspuren im Sand sieht. Wegen denen sind wir jedoch nicht hergekommen, und da auch Kobus bisher  noch keinen Löwen hier gesehen hat, sich aber sehr gut mit den Elefanten hier auskennt, setzen wir eben letztere auf unsere Wunschliste. Zuerst fahren wir einen steilen Berg hinauf, und sehen uns einen Teil des Tales von oben an. Ein Giraffenbulle steht dort unten an einem Baum und äst gemütlich vor sich hin.  Giraffen sind im Grunde ziemlich schüchtern , und verstecken sich gerne hinter Bäumen, wenn sie können. Sie scheinen nur nicht zu begreifen, dass man sie trotzdem noch sehen kann, wenn ihr Kopf oben herausschaut. So tut es dann auch der Bulle, an dem wir sowieso kein großes Interesse hatten. Die Spuren der Elefanten sind allgegenwärtig. Riesige Kothaufen, und viele Trampelpfade. Diese sind relativ schmal und entstehen durch die großen, platten Füße, die beim laufen sehr dicht nebeneinander gesetzt werden. Nach einigen Stunden und etwa 40 km das Flussbett entlang, bemerkt Kobus eine Orxantilope, die neben dem Fluss am Rand eines Platos “verunsichert nach hinten schaut“, so sagt er. Also fahren wir hoch auf das Plato, und tatsächlich steht auf der heißen, trockenen Ebene ein Elefant.    “ Policemen”, so nennt ihn Kobus, sei ein alter missgelaunter Bulle. Der Elefant setzt sich in Bewegung und verzieht sich in den Schatten eines großen Kameldornbaumes. Wir fahren weiter. Danach sehen wir noch zwei Elefantendamen mit ihren Kälbern, 5 Monate, und ein Jahr und 5 Monate alt. Kobus stellt den Motor ab, und erklärt uns die Körpersprache der Elefanten, die 20 Meter von uns entfernt stehen. Dass er sie richtig deutet sehen wir, als er den Motor wieder anmacht und wir uns wieder ein Stück entfernen, bevor eines der Tiere selbstbewusst den Weg in unsere Richtung einschlägt. So geht denn unsere elfstündige Safari zu ende, und wir kommen am späten Nachmittag wieder an der Khowarib-lodge an. Die Stellplätze zum campen liegen dort entlang des Khowaribflusses, der auf dieser Strecke überirdisch Wasser führt. Man kann dort sogar baden, oder einfach die Kuh beobachten, die den ganzen Tag mit großer Freude das grüne Gras abweidet. Das soll nur ein kleiner Ausschnitt von unserer Reise sein, den Rest können die Bilder erzählen, hierfür vielen Dank an meinen Vater für die schönen Tierfotographien.

Nachdem meine Eltern wieder verschwunden wahren, und der Midtermbreak vorbei wahr, ging es wieder an die Arbeit. Ich mache Dienstags und Mittwochs neuerdings ein Gartenprojekt mit Hortkindern. Leider sehen die Kinder zu oft das Arbeiten im Vordergrund, was ihnen die Motivation nimmt. Also muss ich immer wieder motivieren, und versuchen mit kleinen Wettbewerben alle bei Laune zu halten. Da gleichzeitig jedoch auch noch ein Sportprojekt stattfindet, gestaltet sich meine Gruppe sehr übersichtlich.Im Garten wächst weiterhin alles vor sich hin, auch die Perlhirse auf dem Feld blüht jetzt kräftig auf.Dazu beigetragen hat die letzte Woche, die überaus regenreich war. Es war mehrere Tage bewölkt, was bisher noch nicht hier erlebt habe. Leider sind die Temperaturen ebenso gefallen, sodass jetzt wieder Pullover angesagt ist, sobald die Sonne weg ist. Ich bin trotzdem glücklich, dass die Wiesen doch noch grün werden. Des weiteren stehen alle möglichen Vorbereitungen zur Reise an, die ich mit Josefine ab dem 20.04. Antreten werde. Ich versuche , meine Paprikapflanzen über den Winter zu bekommen, wofür ich sie alle im Schulgewächshaus zusammengepflanzt habe, damit ich sie dort mit einem Vlies auf einer Konstruktion vor dem nächtlichen Frost schützen kann. Ein Gewächshaus im Gewächshaus sozusagen.Die Freien stellen im Garten hinter unserer Hütte sind jetzt mit Salat, Broccoli und Blumenkohl bepflanzt. 

Da mich Tansania landschaftlich und kulturell interessiert, hatte ich mich schon vor einiger Zeit dazu entschieden, meine Ferien dort verbringen zu wollen. Marie und Josefine fanden das auch ganz interessant, und konnten sich nach ein paar Abwägungen über das Risiko durch verschiedene Krankheiten, dazu entscheiden mitzukommen. Leider ist Marie aus verschiedenen Gründen vor zwei Wochen wieder zurück nach Deutschland geflogen, und hat ihren Freiwilligendienst hier beendet. Also werden Josefine und Tristan die Reise zu zweit machen. Mit Minibussen wollen wir von Windhoek bis nach Kapiri Mposhi, nördlich von Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Von dort aus fährt die TAZARA Zuggesellschaft Richtung Dar es Salam, an die Küste Tansanias. Die Strecke, in den 1970ern von Chinesen gebaut um den Güterverkehr aus dem Afrikanischen Hinterland zu verbessern, ist bekannt für ihre Schönheit. Über drei Tage und 300 Brücken braucht der Zug für die 1800 km. Wir werden jedoch vor Dar es salam aussteigen, und ein paar Tage im Udzungwa Mountain Reserve verbringen. Es gibt verschiedene Wanderrouten, mit Übernachtungen im Zelt. Der Park, bestehend aus Dschungel und Berglandschaft, darf nur zu Fuß und mit einem Führer begangen werden. Ich bin schon sehr gespannt, ob wir wegen der Regenzeit wandern, oder schlammwaten werden. Danach werden wir von Dar es Salam aus mit einem Boot nach Sansibar fahren. Ich freue mich auf Stonetown, der Altstadt von Sansibar-Stadt, ehemaliger Regierungssitz des Sultanats Oman, und berühmt für die arabisch geprägte  Architektur dieser Zeit. Am 14. Mai werden wir dann hoffentlich wieder zurück in Windhoek sein, wenn der Zug nicht mit einem Elefanten kollidiert ist. 

Reise Ende Juni/ Anfang Juli:

Mit einem Geländewagen von Kalahari Car Hires, die ich sehr empfehlen kann (ältere Wagen, aber unschlagbar guter Preis), fuhren Nora, Samuel, Josefine, David und ich ende Juni los auf eine kleine Rundreise in den Norden Namibias. 

Der erste Tag war ein reiner Fahrtag auf der Bundesstraße bis nach Oshakati im Ovamboland. Da dies der bevölkerunsreichste Teil Namibias ist, war ich ganz gespannt darauf, wie es dort wohl so aussieht.Zur Regenzeit ist hier genug Wasser, um auch Ackerbau zu betreiben. Die Oshanas, große Wasserlöcher, werden wieder überflutet, und die Fische befreien sich im frischen Wasser vom Schlamm, um bald darauf als Nahrungsressource der Ovambos genutzt zu werden. Von all dem war nun nicht mehr viel zu sehen. Hier und da spiegelte sich noch die Sonne im langsam versiegenden Wasser größerer Oshanas, die Mahangufelder waren größtenteils abgeerntet, und haben sich offenbar trotz einer extrem trockenen Regenzeit gegen die Sonne gestreckt. Die Weite dieser sehr flachen Landschaft mit ihrer grauen und staubigen Erde wird nur von zahlreichen Makalanipalmen und den Dörfern und Feldern unterbrochen. Hier findet man die “ typisch afrikanischen” Straßenszenen mit Märkten und Vieh auf der Straße. 

Von Oshakati aus fuhren wir weiter an die Ruacanafälle des Kunene, dem Grenzfluss zwischen Namibia und Angola und gleichzeitig beginn des Kaokovelds und dem Gebiet der Himba. Die Fälle waren schon mehr oder weniger trockengelegt, jedoch war der Communtiy - Campingplatz der Himba, unterhalb der Fälle wirklich schön, direkt am Ufer gelegen, und wir hatten Ruhe vor anderen Touristen. Die Mädels wären gerne ins Wasser gegangen, aber nachdem ich ihnen ein Foto vom Krokodil auf der gegenüberliegenden Sandbank zeigte, ließen sie es doch lieber bleiben.

Wir erwarteten noch mehr Einsamkeit an den Epupafällen, da diese noch weiter von Zivilisation entfernt liegen, und im Reiseführer vor der schlechten Piste dorthin gewarnt wird. Auf den 180 km von Opuwo bis an die Fälle sahen wir auch nicht arg viel bis auf ein kleines Dorf und ein paar Hirten, jedoch waren die drei Camps an den Fällen überfüllt, und ein Zelt drängte sich an das nächste. Das wollten wir uns nicht geben und übernachteten einmal auf einem Berg, auf dem ein ein Mann einen Campingplatz einrichten will, allerdings ist ihm wohl das Geld ausgegangen. Der Ausblick war jedoch genial. Den nächsten Tag erkundeten wir das Flussufer. Ich machte mich auf Krokodilpirsch, dachte aber nicht das die so scheu sind. Ich hörte nur ein lautes Platschen hinter dem nächsten Busch, und konnte die Spuren des geflüchteten Kroks begutachten. Die Nacht verbrachten wir ein paar Kilometer Flussaufwärts. Ich baute eine Toilette, den Rest hatten wir ja dabei.

 Danach ging es wieder über Opuwo nach Sesfontein. Das Grün in den Tälern, das im März noch so einen schönen Kontrast zur roten Erde gegeben hatte, war nun teilweise in Rostbraun übergegangen. Wir übernachteten auf dem Communitycampingplatz hinter der exklussieveren Khowariblodge. Der Campingplatz bekommt von mir ein großes Lob, Sehr schön eingerichtete Duschen, und eine sehr schöne Lage am Bach, der hier noch oberirdisch fließt, und ein grünes Tal speißt. Die letze Nacht wollten wir am Brandberg verbringen, allerdings verfuhren wir uns, nachem sich die Straße auf einmal gegabelt hatte, und immer weitere Gabelungen folgten und die Pisten immer schmaler wurden. Letztendlich landeten wir in einem Trockenfluss . Die Stelle war schön, und so campten wir wild irgendwo zwischen Elefantenkot in der Nähe des Brandbergs. Abends und am Morgen kamen Farmarbeiter mit einem Unimog vorbei, mit dem sie sich jeweils fünf Minuten durch das Sandbett kämpften, bis sich die Reifen durch den Sand gegraben hatten. Finchen fragte, wo es nach Windhoek gehe, was ich sehr lustig fand, denn das lag noch etwa 400 km entfernt. Der Farmarbeiter sah auch etwas verdutzt aus. Den Weg Richtung Uis konnte er uns aber zeigen. Mit ein paar Handbewegungen hatte er uns die Richtung gewiesen. Nachdem wir uns die Piste durch das Sandbett etwas präpariert hatten, schaffte Samuel es, den Wagen ohne stecken zu bleiben, durchzukommen. Nach etwa einer Stunde über kleine Pfade durch die Wüste und vorbei an einer Farm ( unsere Richtung wurde mit ein paar Handbewegungen bestätigt), kamen wir dann wieder auf die Gravelroad Richtung Uis. Wir sahen uns noch die Spitzkoppe mit seinen vom Wind erodierten Gesteinsformationen an, bis wir vor Karibib wieder auf Teer fuhren und so recht bald Zuhause in Windhoek ankamen. An der Spitzkoppe Spitzkoppe Orgelpfeifen Kunene Epupafälle unterhalb der Ruacanafälle Mopaneworms als Snack leere Ruacanafälle Ovamboland

Mittwoch, 15.05.2013

Auf der Suche nach dem graugesichtigen Rüsselhündchen

Die letzten drei Wochen sind nun vorbei, so wie die letzten acht Monate auch vorbei sind, dass ist mir in den drei Wochen der vergangenen Reise aufgefallen. Acht Monate bin ich also schon auf dem afrikanischen Kontinent, vier weitere sollen mir noch bleiben. Drei Wochen dieser acht Monate habe ich  nun mit Josefine auf Reisen verbracht. Das Ziel war der Weg nach Sansibar, der uns einmal durch den Nordosten Namibias, durch Sambia und Teile Tansanias führte.Als Menschen mit vorausschauendem Blick legten wir uns verschiedene Etappen, die auf den Hauptrouten auf uns warteten. Diese waren: Windhoek - Rundu - Livingstone- Lusaka- Kapiri Mposhi - Mang´ula - Dar es Salam - Sansibar und wieder zurück.

.Die Strecke nach Lusaka in Sambia habe ich ja schon mal gemacht, und war für mich daher nicht sehr spannend Wir saßen hauptsächlich schlafend in Bus und Minibus. Wir machten in Livingstone diverse Bekanntschaften mit anderen Freiwilligen und Reisenden und genossen das gemütliche Backpackers für zwei Tage, bis es mit dem Bus weiter über Lusaka nach Kapiri Mposhi ging. Dort befindet sich der Bahnhof der TAZARA- Bahn, deren Strecke über 1800 km von dort bis nach Dar es Salam in Tansania führt. Wir wurden vor den Verspätungen gewarnt und waren positiv überrascht, als wir kaum verspätet in den Zug einsteigen, und in unsere Kabinen gehen konnten.

Das Ticket erster Klasse ist nur 5 $ teurer und für den Aufenthalt von drei Tagen sehr zu empfehlen, da man sich diese nur mit drei anderen Passagieren teilen muss, und so genug Platz hat um auf den unteren Pritschen sitzen zu können, ohne sich den Kopf an der nächst oberen anzuschlagen. Die TAZARA war ein chinesisches Bauvorhaben, das in den 1980ern realisiert wurde, in erster Linie um Kupfer aus dem sambischen Kopperbelt an die Küste zu schaffen. Man hat den Eindruck, dass seit dem keine Reparaturen oder Renovierungen stattgefunden haben, denn bis auf die beiden Endstationen sind die Bahnhofsgebäude nur noch Betonmauern ohne Glas in den Fenstern. Auch der Zug macht einen alten gemütlichen Eindruck, der nicht täuscht. Setzt die Diesellok sich in Bewegung, sollte man sich  festhalten, denn jeder Wagon macht erst einmal mit einen Satz nach vorn, bis er sich langsam in Bewegung setzt. Dann fühlt man sich etwas wie in einem Boot aus See, denn der Zug wiegt sich nach links und rechts, hebt und senkt sich. Draußen zieht die Landschaft vorbei, von endloser öden Buschlandschaft über dramatische Gebirgszüge bis zu Regenwald und Kulturlandschaft.Die ersten eineinhalb Tage durch Sambia führen durch Buschlandschaft,. Ohne eine Erhebung oder Vertiefung ist einem die Ferne nur durch die niedrigen Bäume und Busche versperrt. Ab und zu entdeckt man Mais und Cassava- Felder, dann ist damit zu rechnen, dass der Zug demnächst halten wird und man links und rechts der Schienen ein paar Häuser entdecken kann. Der Zug stellt für diese Dörfer den Hauptkontakt zur restlichen Welt dar, so dass alle Menschen herbeieilen, Mais, Melonen oder andere Dinge an die Fahrgäste verkaufen, oder einen Verwandten abholen, der  vielleicht in einer größeren Stadt einkaufen war. Josefine und ich vielen meist durch unsere Hautfarbe auf, und sobald uns die Kinder entdeckt hatten, liefen sie zu uns her, um die “ Mzungus” zu beobachten. Wir machten dann Grimassen und quatsch was allen viel Spass machte. Kinder, das fällt auf, gibt es reichlich, und können leider nicht lange Kind sein. Sie müssen früh arbeiten, und verkaufen dann z.B. verschiedene Wahren an die Fahrgäste. Ich schätze, dass viele Familien durch Aids zerstört werden. Man sieht öfters Kinder mit 12, 13 Jahren, die jüngere Kinder auf dem Rücken tragen, und scheinbar das älteste Familienmitglied sind. Richtung Tansanische Grenze wird es dann gebirgig und der Zug passiert mehrere Städte. Zuerst kommen die sambischen Grenzbeamten in den Zug, drücken den Stempel in den Pass, dann fährt der Zug zur nächsten Haltestelle wo schon die Tansanischen Beamten warten. Da der Zug auf der Fahrt mehrmals tanken und Wasser nachfüllen muss, kommt es dann doch zu den längeren Verspätungen von 12 Stunden oder mehr. Meistens standen wir nachts irgendwo und wunderten uns am nächsten Morgen warum wir noch nicht so weit gekommen waren. Nachdem man das Gebirge und die Grenze hinter sich lässt, fährt man durch eine hügelige Kulturlandschaft aus Sonnenblumen, Mais und Cassavafeldern, riesigen Baobabbäumen, kleinen Häuschen und Brachland. Allmählich wird es grüner und grüner, das Gras und die Bäume immer höher bis man durch Regenwald, vorbei an Reis und Zuckerrohrfeldern fährt. Das Gras wächst teilweise fast doppelt so groß wie die Menschen die hindurch laufen.

 In Mang´ula stiegen wir gegen 23 Uhr, mit mehr als 12 Stunden Verspätung aus. Wir hatten mit dem Hondo hondo camp vereinbart, dass uns jemand abholen würde, allerdings lagen schon alle im Bett. Glücklicherweise half uns ein älterer Herr, und rief den Manager auf seinem Handy an, so dass wir doch noch abgeholt wurden. Mang´ula liegt am Rand der Udzungwa Berge, ein Bergmassiv mit Regenwald bewachsen und zum Glück ein Naturschutzgebiet. Man darf nur mit einem Führer und oder Ranger in den Park, um diesen zu schützen, bzw. vor dessen Bewohnern geschützt zu werden, denn es gibt dort Elefanten, Leoparden und alle anderen größeren Säugetiere Afrikas. Außerdem das Graugesichtige Rüsselhündchen, dass jedoch niemandem gefährlich wird, jedoch wie viele andere Arten endemisch ist. Die Gebühren für den Park und die Ranger waren es uns wert, und wir wanderten insgesamt vier Tage durch diese paradiesische Landschaft. Übrigens kamen wir mit 50 US $ am Tag noch sehr gut weg. Für die Serengeti oder vergleichbare Parks zahlt man mit dem Auto bis zu 300 am Tag. Kein Wunder, dass einheimische Menschen oft denken, jeder weiße habe einen unerschöpflichen Geldvorrat. Was relativ ja auch fast so ist, bedenkt man, dass viele Menschen von 300 $ ein Jahr lang leben. Den ersten Tag machten wir eine Tour zum Sanje Wasserfall. Der Weg führt immer nach oben bis zur Spitze des größten der zahlreichen Wasserfälle. Dort oben genossen wir die Aussicht und badeten und tranken im kalten Wasser. Für die anderen Tage entschlossen wir uns, eine mehrtägige Tour zu machen, die bis auf die Spitze des höchsten Berges führt. Hierzu schloss sich uns neben dem Führer auch ein Ranger an, der uns in allen Notfällen beiseite stehen sollte, z.B. hatte er ein Kalaschnikow- Gewehr dabei, um eventuell zu aufdringliche Elefanten zu vertreiben. So führte der Weg immer entlang und durch diverse Flüsse, bis wir am späten Nachmittag sehr erschöpft das erste Lager aufschlugen. Natürlich badeten wir eine Runde in einem kleinen Bach, denn wir waren komplett nass geschwitzt. Den nächsten Tag verbrachten wir zu großen Teilen nicht mit der Gipfelstürmung sondern im Lager, denn es goss aus strömen, ich hatte eine Zerrung und wir waren zu faul, also machten wir uns nur auf den Weg zum nächsten Lager . Ab und zu Sprangen verschiedene Affen durch die Baumkronen und des Öfteren war der schmale weg von Elefanten zerstört, die den Berg herabrutschen, und dabei den Weg abtragen. Die Spuren setzten mir lustige Bilder von den Elefanten in den Kopf, denen in diesem teilweise sehr steilen Terrain wohl nichts anderes übrig bleibt, als rutschend auf allen vieren oder dem Po den Berg hinunter zu kommen. 

Von Mang´ula aus kamen wir per Minibus nach Dar es salam. Wir wollten noch am gleichen Tag mit der Fähre nach Sansibar. Da wir jedoch reichlich verspätet ankamen und der Verkehr in Dar ein schnelles vorankommen fast unmöglich macht, stiegen wir auf zwei Pickipicki, Motorradtaxis, die es schaffen durch die Lücken im Stau hindurchzukommen. Das machte mir große Freude, und ich war sehr beeindruckt, dass wir am Hafen ankamen, ohne verletzt zu sein, oder zumindest einige Kratzer an ein paar Autos hinterlassen zu haben. Fünf Minuten vor Abfahrt schafften wir es noch auf die letzte Fähre.Eineinhalb Stunden später kamen wir in Stonetown, der Altstadt Sansibars an. So habe mir immer arabische Städte vorgestellt. Enge Gassen und hohe Häuser. Sansibars günstige Lage wurde schon früh in Anspruch genommen. Besonders die Araber , unter anderem der Sultan von Oman, machten die Insel zum Hauptumschlagplatz für den Sklavenhandel aus Zentral und Ostafrika im 18. Und 19. Jahrhundert. Doch schon seit dem 10. Jahrhundert wurde von hier aus Rohstoffhandel zwischen den Arabern und Indien betrieben. Auch noch heute sind 95 % der Inselbewohner Muslime. Leider sind viele Menschen vom Tourismus abhängig, und versuchen mit allen möglichen Tricks ihre Waren an die Touristen zu verkaufen. Das kann auf Dauer sehr anstrengend sein, denn man wird als Mzungu alle fünf Minuten angesprochen, und muss manchmal schon böse werden, um deutlich zu machen, dass man nicht an einem Kauf interessiert ist. Und über den Tisch kann man natürlich auch schnell gezogen werden. So erstanden Josefine und ich zwei Papteller mit Meeresfrüchten, gut es war auch Hummer dabei, für umgerechnet 25 Euro. Wir hatten dummerweise nicht nach dem Preis gefragt, als wir in den Forozani gardens lecker Fisch essen wollten. Danach ging das Gestreite los, bis uns gedroht wurde, am nächsten Tag könne etwas unschönes passieren. So bin ich im strömenden Regen zurück zum Guesthouse gewatet, um Geld zu holen, und die Sache war geklärt. Zusätzlich hatten wir noch zwei Gläser, die wir als Gegenwert zum Wechselgeld ansahen, das wir nicht mehr zu sehen bekamen nachdem uns ein man hereingelegt hatte und so tat, als gehöre er zum Saftstand, uns zwei Gläser Suckerrohr- Ingwersaft verkaufte, und dann mit dem Wechselgeld abhaute. Nach diesem ersten Abend ließen wir uns jedoch nicht mehr hereinlegen, und die Gläser stehen jetzt bei uns im Regal. Für zwei Tage führen wir noch in den Norden der Insel, bauten eine Sandburg, und ich machte einen Kursus im Skulpturen schnitzen.

Dann ging es wieder nach Dar es Salam, dass wir leicht Seekrank erreichten, nachdem das Meer recht rau gewesen war. Wir wollten andere Freiwillige besuchen und stiegen in diverse Dalla Dallas, das örtliche Nahverkehrsmittel, der Minibus. In Dar es salam passen verglichen zu Namibia drei bis viermal mehr Menschen hinein, was nicht an der Größe des Gefährts liegt, sondern an der Toleranzgrenze der Menschen. Ich stand eine Stunde auf einem Bein hing mit dem Rest des Körpers über anderen Fahrgästen. Ich zählte 50 Passagiere, die sich einen Platz im Dalla dalla erkämpft hatten. Josefine wurde einmal am Rucksack fast wieder aus dem Bus gezogen, so wild geht es beim Einsteigen zu.Die letzte Strecke machten wir dann mit einem Bajaji, ein dreirädriges Gefährt, im Prinzip ein Motorroller mit einer angebauten Kabine mit einer Sitzbank darin. Es war interessant zu sehen, wie die anderen Freiwilligen so leben. Kein fließend Wasser und oft Stromausfall. Da haben wir es in Windhoek schon besser. Dafür hatten die beiden sehr viel mehr Möglichkeiten, eigene Projekte an ihrer Schule durchzuführen und auch richtig Verantwortung mit der Verwaltung der Spendengelder. Ich war froh, wieder in den Zug steigen zu können, und den heftigen Verkehr hinter mir lassen zu können. Auf der Rückfahrt von Dar es Salam nach Sambia fuhren wir auch durch das Selous Game Reserve , ein großer Naturschutzpark. Bei Sonnenuntergang sahen wir Herden von Gnus, Giraffen, Zebras und eine Elefantenherde mit etwa 30-40 Tieren. Alles ganz kurz, dann war der Zug schon vorbei. Auf der Rückfahrt habe ich mir dann noch einen Schnupfen eingefangen, und auch Josefine wollte den Heimweg schnell hinter sich bringen, so dass wir nach der Zugfahrt ohne Übernachtung zwei Tage mit Taxi und Bus bis nach Windhoek zurück fuhren. 

  vom Sanjewasserfall aus Baobabbäume     Stonetown- Hafenpromenade Auf dem alten Fort- modernes Atelier altes Fort   in Livingstone Bajajis Sammelgut vom Strand Stonetown im Regen Kommentare (1)

Donnerstag, 21.02.2013

Alltägliche Strukturen und die Rückkehr zum Bewusstsein

Da ich nun des Längeren nichts mehr habe von mir hören lassen, wird es meinem Empfinden nach doch wieder einmal Zeit, sich an den Laptop zu hängen und ein wenig zu tippen.
 
Da das Schuljahr hier in Trimestern eingeteilt ist, ändern sich auch die Stundenpläne im Dreiertakt. Daher hat sich nach den großen Ferien auch viel in meinen Arbeitsbereichen geändert.
Kurz, mein Pensum ist implodiert.
Zwei Stunden Gartenbau mit der vierten Klasse, ein paar Pausenaufsichten und dann natürlich der Hort.

In den ersten Wochen durfte ich mein Vormittagsloch mit der Ackerbauepoche der dritten Klasse stopfen. Die Klassenlehrerin griff dankbar auf meine Gartenkenntnisse zurück und gewährte mir große Freiheit mit der Klasse und dem Projekt.
In Waldorfschulen wird üblicherweise eine Ackerbauepoche in der dritten Klasse durchgeführt. Vormittags verbringen die Klassen der Unterstufe den Hauptunterricht, d.h. die ersten beiden Schulstunden mit dem Klassenlehrer. Der Unterrichtsstoff, den der Klassenlehrer vermittelt, ist in sogenannte Epochen eingeteilt. Das bedeutet, dass sich die Klasse im Hauptunterricht für zwei bis vier Wochen mit einem Thema beschäftigt. Neben dem klassischen Stoff wie Mathematik oder lesen und schreiben gibt es Epochen, deren Themen besonders in die Entwicklung der Kinder in bestimmten Lebensphasen positiv eingreifen sollen. Da gibt es die nordisch-germanischen Sagen, die Genesis, die alten Griechen als Sinnbild der verkörperten Ideale des Menschen oder z.B. praktische Epochen wie die Hausbau- und Ackerbauepoche. Die zwei letzteren werden in der dritten Klasse durchgeführt.
Die Kinder in diesem Alter durchgehen einen wichtigen, aber auch als Krise zu bezeichnenden Bewusstseinsschritt, der in der Anthroposophie als Rubikon bezeichnet wird, und in der Regel im alter von ungefähr 9 1/3 Jahren stattfindet. Die Welt, die sich zuvor vom Kind nicht in ein Innen und Außen, ein eigen und fremd trennte, schält sich nun vom Kind ab. Es nimmt sich das erste Mal als Individuum war, und fängt an, die Umgebung, Autoritäten, und Umstände von außen zu betrachten und kritisch zu hinterfragen. Dies geht mit einer Krise einher, “ Adam und Eva werden aus dem Paradies verbannt”- würde ich dazu sagen.
So sieht die Waldorfpädagogik in diesen praktischen Epochen Möglichkeiten, den Kindern in ihrer Entwicklung gerecht zu werden. Die praktische Arbeit mit dem Körper gibt den Kindern Mut, in diese neue Welt eingreifen zu können, mit ihrer Materie umgehen zu können und ein neues (Selbst-)Bewusstsein im Umgang mir dieser zu entwickeln.

Zur Einleitung der Epoche durfte ich mir eine Geschichte ausdenken, anhand derer wir das Praktische mit dem theoretischen verbinden konnten. Die Klasse wurde in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe schrieb in der Klasse ihre Hefte mit der Geschichte und theoretischem Inhalt zu dem, was sie im Garten erlebt hatten. Die andere Gruppe arbeitete im Garten. Täglich wurde getauscht.
Zur Verfügung stand uns ein etwa 50 Quadratmeter großer Bereich neben dem Schulgewächshaus, auf dem sich jedoch noch zwei große Komposthaufen befanden. Diese mussten wir erst einmal zur Seite schaffen, hinterließen jedoch auch einen fruchtbaren Boden, den wir nur noch mechanisch bearbeiten mussten. Einmal, beim Umsetzen des Komposthaufens, schrien die Kinder auf. Ein erschrockener Bewohner des Haufens verkoch sich schnell in die unteren Schichten aus Gras und Mist. Während die Schlange die meisten Kinder erschrocken zurückweichen ließ, waren Lavinia und Maiki mutig, und stellten der Schlange mit ihren Grabegabeln nach. Ich musste ihnen erst vermitteln, das Schlangen doch hübsch anzusehen sind, und nicht so gefährlich sind, wie das Gift mancher tödlich sein muss. Außerdem hatte diese Exemplar bestimmt einige Mäuse von unserem Zukünftigen Acker fern gehalten. Also ließen wir sie ziehen. Der Gartenbaulehrer meinte, es hätte sich um eine Kobra gehalten, jedoch sah mir dieses Schlänglein nicht sehr kobraartich aus…
Nachdem die Fläche freigelegt war, grenzten wir sie mit Steinen und einem provisorischen Zaun ein.
Dann wurde umgegraben. Es war nicht immer leicht, die Kinder zu motivieren, und ich konnte teilweise auch verstehen, dass es angenehmere Dinge geben kann, als unter der brennenden Sonne Erde umzuwenden.
Der Mahangu, eine sehr trockenheitsresistente Perlhirsensorte aus dem Ovamboland, war das Kraut, das wir sähen wollten. Er wächst ähnlich wie Mais. Nachdem wir noch eine Mulchschicht auf dem gelockerten Boden verteilt hatten, bekam jedes Kind eine handvoll Samen, die in Reihen von etwa 60 cm Abstand gesät wurden. Ich war sehr beeindruckt, mit welcher Glaubenskraft die Kinder vor dem Sähen für ein gutes Wachstum der Pflanzen beteten.
Nun sind schon ein paar Wochen vorbei, und die jungen Pflanzen bereits 20 cm hoch.

Im Klassenzimmer Umgraben Mulchschicht ausbringen Das Sähen des Mahangu Die dritte Klasse

 

In meine freie Zeit stopfe ich weiterhin Gitarrenspiel, philosophische Gedankengänge mit und zu Rudolf Steiner über das Leben, die Welt und ihre geistigen Verursacher, und außerdem die übliche Gartenarbeit.


Leider erlebt Namibia ein Dürrejahr. Die Regenzeit setzt üblicherweise zwischen Dezember und Januar ein, jedoch war  bis vor zwei Tagen nicht viel von Regenzeit zu merken. Die letzten beiden Nachmittage ist es jedoch echt dicke gekommen. Da der Boden, so trocken wie er ist, kaum Wasser aufnimmt, wurden Treppen zu Wasserfällen, und unser Revier füllte sich innerhalb 15 min zu einem reißenden Bach. Es kühlt dann sehr schnell ab, und wo man vor einer halben Stunde noch im T-shirt vor sich hin schwitzte, braucht man schnell einen Pullover.
Ich verliere die Hoffnung nicht, dass wir hier doch noch grünes Gras sehen werden.
Ansonsten erlebe ich ein ziemlich alltägliches, prüdes und kleinbürgerliches deutsches Subkulturleben, das dem Schulwesen zu großen Teilen inne ist. Die große Pavianfamilie kommt aus dem Revier des Öfteren vorbei, um aus dem Pool zu trinken , oder nach Naschereien zu suchen, das gleiche tun die Lehrer am Buffe in den Pausen. Ab und an sieht man eine Schlange oder Schüler auf dem Gelände.

Pandinus Imperator? Irgendwie muss man die Plagegeister verwerten Sie tarnen sich ganz gut in der Pfanne Im Hort

 

Im Hort hat sich das meiste zu einem angenehmen Arbeitsklima eingerenkt, auch wenn man über gewisse Eigenheiten leitender, mal sehr harmonisch balancierter und dann wieder um sich züngelnder und stechender Aspekte der Arbeitsgemeinschaft hinwegsehen müsste, was mir nicht immer leicht fällt.
Wir backen Kuchen und stricken zu pädagogischen Zwecken, und um die mathematischen Fähigkeiten der Kinder zu fördern.



Sonntag, 27.01.2013

Samstag, 12.01.2013 Eine große Reise - Kapstadt, Malawi, Sambia und Caprivistreifen

Nun bin ich wieder zuhause in Windhoek. Das Schulgelände ist mehr oder weniger verlassen. Bis auf die Hausmeister und dem Wind wirbelt niemand so recht Staub auf. Ich lasse Archie Shepp`s Mama Rose laufen, was mir in diese Szenerie sehr gut zu passen scheint. Und außerdem konnte ich einen Monat lang nicht mehr die Musik meiner Wahl hören!
Nun liegt also dieser Reisemonat hinter mir, und ich fühle mich mehr oder weniger überfordert, das Erlebte in eine strukturierte schriftliche Ordnung zu bringen. Nunja, anfangen wäre wohl ein guter erster Schritt.

Nachdem wir unsere Pässe mit den verlängerten Visa eine halbe Stunde vor Abfahrtszeit doch noch bekommen hatten, konnten wir am 5.12 ruhigen Gewissens mit dem Bus nach Kapstadt aufbrechen. Nach 22 Stunden Fahrt kamen wir dann auch dort an. Die paar Tage vor und nach dem Zwischenseminar, das uns ans Kap getrieben hatte, verbrachten wir bei anderen Freiwilligen im Stadtteil Retreat. So konnten wir auch etwas von Kapstadt sehen. Immer unterhaltsam waren die Fahrten mit der Metro. Als Weißer muss man zwar am Schalter extra betonen, dass man dritter Klasse fahren möchte, sonst wird man in die erste geschickt. Man hat also noch eine gewisse Trennung zwischen Schwarz und Weiß, die jedoch über die Preise der Tickets, bzw. überhaupt die Einteilung in verschiedene Klassen funktioniert. Jedoch rührt diese Trennung, so vermute ich, daher, dass viele weiße Kapstädter aus Angst beklaut zu werden, lieber in die meist leere erste Klasse gehen. Uns hat es jedoch immer Spaß gemacht, die Szenerie der vollgestopften dritten Klasse zu bestaunen. Da werden verschiedene Snacks verkauft, wobei der Händler mit teils skurrilen Tonlagen auf sich aufmerksam macht; ein Weißer missioniert , indem er Jesussongs  über den Beat seines Gettoblasters rapt, ein singender Blinder wird durch den Wagon geführt. Es tat gut, vom ruhigen Windhoek mal in eine größere Stadt zu kommen.

Kapstadt mit koffein durch die Nacht


David und ich hatten einen Flug nach Lilongwe, der Hauptstadt Malawis gebucht und so flogen wir nach dem Seminar und einer schlafloser Nacht im Flughafen am 14.12 los Richtung Johannesburg.

Da unser Flug einige Verspätung hatte, kamen wir in Joburg  ziemlich in Stress, was unseren Anschluss anging. Auf unseren Tickets waren keine Gates eingetragen und wir hatten keine Ahnung wohin wir sollten. Die Personenkontrollen waren hoffnungslos überlastet. Für 40 Rand wusste uns jedoch ein Flughafenarbeiter weiterzuhelfen und führte uns durch diverse Gänge und so konnten wir die großen Kontrollen überspringen und kamen an eine weniger überfüllte Kontrolle für Sonderfluggäste.
Letztendlich mussten wir dann doch noch mal 20 Minuten auf das Boarding warten. Nach weiteren zwei Flugstunden erreichten wir dann Lilongwe. Unser Gepäck hatte es ebenfalls dorthin geschafft, so dass wir es nach einiger Zeit des Hoffens und Bangens dann zufrieden abholen konnten. In Malawi gibt es sehr wenig Geldautomaten, so dass wir die Gelegenheit am Flughafen gleich nutzten, um uns hoffentlich genug Geld für die Zeit in Malawi zu beschaffen. Direkt am Ausgang zu dem kleinen Flughafen tummelte sich eine kleinere Gruppe Taxifahrer, die sich gleich um uns scharten. Das Angebot einer der weniger Aufdringlichen nahmen wir dann an, und ließen uns für umgerechnet 20 Euro in die Stadt fahren. Auf unseren ganzen Reise haben wir niemals mehr soviel Geld für einen Transport ausgeben müssen, jedoch gibt es für Transporte vom Flughafen nach Lilongwe einen festen Tarif, und an dem lässt sich dann auch nicht rütteln.
Die Konversation mit dem Taxifahrer ließ bei uns immer mehr zu wünschen übrig, da wir einfach so beeindruckt von der neuen Umgebung waren. Vom Flughafen in die Stadt fährt man etwa eine halbe- dreiviertel Stunde. Wie wir bereits aus dem Flugzeug erkennen konnten, wird jeder Quadratmeter von den Menschen genutzt. Viele kleine Ackerflächen in verschiedenen Farben wechseln sich mit Bananenstauden, Mangobäumen, Wiesen und Brachland , das zu Beweidung genutzt wird, ab. So fuhren wir erst einmal durch eine hügelige Landschaft, bis die kleinen strohgedeckten Hütten, die über die Landschaft verteilt sind immer mehr von Wellblech und Lagerhallen abgelöst wurden. Man sieht dort viele Menschen, die kleine Geschäfte entlang der Strasse haben. Häufig sind es Frauen und Kinder, die Gemüse, Obst und Trinkwasser verkaufen. Des weiteren vielen mir die vielen Möbel- und Sargmacher auf, die die schönen Stücke von Hand hobelten und schnitzen. Während man meist die gleichen Sesselformen unter den Ständen sah, gab es Särge in allen Größen und Formen. Neben diesen Ständen kam dort zum üblichen Plastikmüll, der über die zu Maisfeldern umgewandelten Grünstreifen der Stadt verteilt ist auch eine menge Holzspäne hinzu. Mit den vielen Minibussen und hoffnungslos überladenen Lastwägen konkurrierten viele Fahrradfahrer, die auf umgebauten Gepäckträgern Ziegen oder Schweine festgeschnallt hatten, oder sich als Taxi anboten. Kaum waren wir in den Innenhof der Mufasa-Lodge angekommen, fing es an in Strömen zu regnen. Dort auf der großen Veranda der Lodge lernte ich Carlos kennen. Wir plauderten ein wenig. Er bot David und mir daraufhin an, uns am nächsten Morgen mit zum Busbahnhof zu nehmen, da er auch wie wir von dort los wollte, und als Einheimischer natürlich etwas besser bescheid wusste wie das ganze abläuft. Wir nahmen dankend an, und verabredeten uns für den Nächsten Morgen um 7 Uhr.

Der Busbahnhof war von Menschen und Bussen überfüllt. Am Rand drängten sich Händler, die Snacks und Cola verkauften. Den direkten Bus nach Nkhata Bay, am Ufer des Malawisees,  hatten wir bereits verpasst, aber man sagte uns, dass wir über Dwangwa fahren könnten, und von dort ein anderer Bus weiter nach Nkhata Bay fahren würde. So stiegen wir in den noch recht leeren Bus, luden unser Gepäck in einen dafür vorgesehen Freiraum hinter dem Fahrersitz und wollten unser Ticket bezahlen. Der Ticketverkäufer im Bus wollte das Doppelte des Preises, der uns zuvor genannt worden war, und so ging ich zu seinen Kollegen, die noch draußen standen, und bezahlte den zuvor vereinbarten Preis. Nach deren Angaben würden wir in etwa 6 Stunden in Dwangwa ankommen. Nach weiteren Verhandlungen um ein paar Flaschen Cola, und ob sie aus Plastik oder Glas bestehen sollten ( Glasflaschen sind um mehr als die Hälfte günstiger, werden vom Verkäufer jedoch wieder zurückverlangt) , saßen David und ich noch etwa zwei Stunden, bis der Bus weit genug überfüllt war, bis der Fahrer sich veranlasst fühlte das Gefährt in Bewegung zu setzen. Ich war total fasziniert von der ungewohnten Umgebung und den Menschen. Wie sie ihre Fracht mit im Bus transportierten (über die Hälfte der Fahrt hatte ich ein etwas lethargisches Huhn neben meinem Gesicht sitzen), miteinander redeten, diskutierten oder es schafften den begrenzten Platz im Bus so zu nutzen, dass jeder mehr oder weniger das bekam was er wollte. Eine Frau lag im Gang und schlief, ihr Mann und andere Passagiere standen über ihr. So fuhren wir durch die mit Baobabbäumen übersäte Kulturlandschaft mit ihren kleinen , meist aus etwa 10 - 15 Häusern bestehenden Dörfchen. Der Bus hielt ein paar Mal in etwas größeren Ortschaften und über die offenen Fenster des Busses wurde um gekochten oder gegrillten Mais, frische Tomaten oder Softdrinks gehandelt und eingekauft. Ich erschrak , als ich David nach der Uhrzeit fragte und er mir etwas von 16 Uhr erzählte. Wir waren mit dem Bus vermutlich gegen 9 Uhr losgefahren, und Dwangwa schien noch fern. Tatsächlich fuhren wir noch zwei Stunden weiter, bis wir diese kleine Stadt erreichten. Die prophezeiten 6 waren zu 9 Stunden geworden.

Als der Bus anhielt, bildete sich eine größere Menschentraube, um die neuen Ankömmlinge zu empfangen. Uns stellte sich ein jüngerer Mann vor, und fragte wo wir hinwollten. Er meinte, der Bus nach Nkhata Bay würde in den nächsten 10 Minuten ankommen. Er bat uns , vor seinem Geschäft Platz zu nehmen. So setzten wir uns auf eine kleine Bank vor den offenen Verkaufsstall in dem zum einen Drogerieartikel, zum anderen auch undefinierbare Dinge unter der Ladentheke verkauft wurden. Vermutlich hatten wir beim örtlichen Dagga- ( Marihuana-) Händler Platz genommen. Nach einer Dreiviertelstunde kam dann auch unser Bus. Zeit relativiert sich auf so einer Reise. Man kann sich auch gar nicht über Verspätungen oder Wartezeiten ärgern. Hier ist das so. Ich habe meine Uhr während der Reise abgelegt- ich hätte sie eh kaum gebraucht.

So fuhren wir noch eine ganze Weile durch die Dunkelheit und wurden dann, vermutlich gegen 21, 22 Uhr unterrichtet, dass der Ort an dem wir hielten, Nkhata Bay sei. Außer einem Roadblock, einer fest installierten Polizeikontrolle, sahen wir nicht viel. Vom Polizeimann erfuhren wir, dass Nkhata Bay noch fünf Kilometer entfernt sei. Er meinte, wir sollten doch Platz nehmen, meinte auch, wir sollten aber nicht mit seiner Kollegin spielen, denn sie sei gefährlicher als sie aussehe. Ruckzuck war aus dem kleinen Polizeiunterstand eine Bank hervorgeholt und wir nahmen Platz. Wir wurden unterrichtet, dass Malawi  “ the warm heart of Africa” sei, was ich mittlerweile unterschreiben kann. Dann kam ein Minibus vorbei, der vom Polizisten angehalten wurde, und nur weiter nach Nkhata Bay fahren durfte, wenn die beiden Männer uns mitnehmen würden. Ich denke, sie hätten uns auch so mitgenommen, aber vermutlich zu einem etwas höheren Preis. Allerdings hatte der Polizist den Preis für uns ausgehandelt.
So fuhren wir ein paar Minuten. Wir wussten nicht, wo sich die Lodges befinden würden, und welche zu unseren Zwecken dienlich gewesen wären. Also fragten wir die Fahrer nach einer günstigen Lodge. Zwei Minuten später hielten wir an, die Tür ging auf, und uns begrüßten zwei grinsende Einheimische die mit uns in den Hof der Lodge gingen, um der Rezeption zu sagen, dass sie neue Gäste haben. Die Lodge bestand aus mehreren kleinen Gebäuden, die sich an das steile Ufer der Bucht klammerten. Wir liefen eine in den Stein gehauene Treppe mit riesigen Stufen hinunter zu einer kleinen, mit Rasen bedeckten Terrasse. Hier seien wir sicher vor Krokodilen, und etwaige Diebe würden sich vom Ufer aus auch nicht bis nach dort oben trauen. So schlugen wir unser Lager auf, und verbrachten die erste Nacht am Ufer des Lake Malawi.

Kupenjalodge, Nkhata Bay Nkhata Bay Auf der kleinen Bootstour

Am nächsten Morgen machten wir uns dann ein genaueres Bild von unserer Umgebung. Es wurde bereits sehr früh sehr heiß und schwül, und wir kämpften uns mit bereits nassen Klamotten durch das Gewusel der kleinen Hauptstrasse, die durch den an eine Piratenstadt erinnernden Ort führt. Man sieht die Armut der Menschen, etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt mit weniger als einem US- Dollar am Tag. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass dies die Menschen dort nicht davon abhält, ihrem Geschäft nachzugehen. Jeder hat ein solches und die Leute sind sehr kreativ verschiedenste Arten von Geldbeschaffung zu finden. Es gibt viele Träger oder Schubkarrenfahrer, die Waren vom Anlegesteg des Hafens zu den Geschäften bringen, sehr viele Friseure und neben dem Hafen gibt es sehr viele Stände an denen neben Bananen, Tomaten und Mais auch Trockenfisch verkauft wird. Meist ist es “ Sipa” eine Sardinen recht ähnlich sehende Fischart, die getrocknet und dann meist in großen Haufen auf einem Tisch oder einer Plane zum Verkauf angeboten wird. Mich erinnerte der Geruch sehr an das Fischfutter, dessen Geruch Aquarienbesitzer bestimmt kennen. Man fällt als Tourist sofort auf, und wird sehr häufig angesprochen. Oft ist es nur ein “ how are you?” . Man gibt sich die Hand, und wünscht sich noch einen schönen Tag, oder jemand versucht einen noch zu einem Geschäft zu überreden. Die Tage in Nkhata Bay vergingen schnell. Wir streunten durch die Stadt, welche abends, bedingt durch Stromausfall nur von Kerzenlicht und Petroleumlampen beleuchtet wird und besonders dann an alte Zeiten und Piraten erinnern lässt, relaxten auf der Terrasse der Kupenja lodge, hatten einen Ausflug mit einem kleinen Boot entlang der Küste.Letztere machten wir mit King, einem Einheimischen und ein paar Südafrikanischen Studenten, die wir kennen gelernt hatten. Zuerst suchten wir nach dem “ Kingfish” . Ich konnte mir nicht viel darunter vorstellen und sah nur, dass King kleine Fische auf Bambusstöckchen steckte, um sie als Köder zu verwenden. Als wir dann an der steilen Küste entlangfuhren, immer die zahlreichen Fischer auf ihren kleinen von Hand geschnitzten Booten grüßend, wurden wir irgendwann langsamer, und in den Bäumen über dem steilen Ufer sah ich, was der “ Kingfish” ist, ein großer Fischadler.

Kingfish - Fischadler Kinder am Strand eines kleinen Fischerdorfes bei der Arbeit

Wir machten ein paar Fotos, und konnten ihn sogar dazu bringen, nach unseren Ködern zu jagen. Dann fuhren wir weiter, sprangen von ein paar Klippen in das warme Wasser des Sees, und machten in einer kleinen Bucht mit weißem Sandstrand halt. King zeigte uns auf dem Strand ein paar Hanfpflanzen und meinte, es sei hier ein schöner Ort zum rauchen, so dass hier wohl öfters Hanfsamen auf dem Boden landen. Ich war völlig verblüfft, dass überhaupt etwas mitten im heißen Sand wachsen kann. So hatten wir ein paar gemütliche Tage. Unser Plan war, mit einem Boot nach Likoma Island zu fahren und dort ein paar Tage in Abgeschiedenheit zu verbringen.

Nachdem wir an einem Tag zu spät am Boot ankamen, und dieses schon überfüllt war, fragten wir ganz genau nach, wann das Boot am nächsten Tag ablegen würde. Man sagte uns wir sollten gegen  sieben da sein, und um sieben standen wir am nächsten Tag auf dem Pier des Hafens. Natürlich mussten wir noch ein bisschen warten, etwa bis um 11 Uhr, dann war das kleine Boot gut mit allerlei Dingen wie Ziegen, Fisch und Baumaterialien beladen, und wir fuhren los. Der Lake Malawi ist ein großer See, 570 km in der Nord-Südausrichtung, und bis zu 80 km breit. Die Küste wird von Malawi, Mocambique und Tansania geteilt, wobei der größte Teil zu Malawi gehört. Wir waren den ganzen Tag auf dem See unterwegs  und kamen gegen spätem Nachmittag an Chizumulu einer kleineren malawischen Insel vorbei. Als es dunkel wurde, erreichten wir dann endlich Likoma. Wir hatten auf dem Boot ein Holländisches Pärchen kennen gelernt, das sich ebenfalls  Mango Drift als Unterkunft auserkoren hatte. Nun ja, die zwei anderen Unterkunftsmöglichkeiten sind Kaya Mawa, eine nicht ganz günstige Lodge, die zu eine der besten der Welt zählen soll, und ein Guesthouse im Dorf. Es gibt auf Likoma Island fünf oder sechs Autos, und ein paar Strassen. Mit einem dieser wollten wir über ein paar solcher zu unserem Ziel Mango Drift kommen. Leider stellte sich heraus, dass der Taxifahrer der Insel bereits zuviel getrunken hatte, um uns noch irgendwohin zu fahren, so dass wir uns nach dem Weg erkundigten. Jemand meinte, er würde sowieso in diese Richtung müssen, und lief mit uns eine Dreiviertel Stunde über steile Hänge und schmale Pfade, bis wir dankbar für seine Hilfe am Strand des Mango Drift ankamen. Mango Drift ist eine komfortable und sehr schön angelegte Strandlodge mit Bungalows, Waschräumen und einem langen Strand auf dem man unter Mangobäumen zelten oder sich in die Hängematte legen kann. Außerdem gibt es noch eine Tauchschule. Es waren kaum Gäste da, was nicht heißt, das wir einsam gewesen wären. Die Community von Mango Drift bestand aus der Leiterin Maurilie, ihrem Mann, der Pilot auf Likoma Island ist, ein paar Angestellten und Kevin und seiner Freundin, die die Tauchschule leiten. An Gästen gab es neben uns und den Holländern noch Paul, von dem später noch die Rede sein wird. Wir setzten uns alle an einen großen Tisch und kamen noch ein wenig ins Gespräch, bevor dann unser Zelt aufbauten .

Mango Dirft, Likoma Island Chizumulu Island Mabgo Drift, die Bar Mbao spielen

Mango Drift ist ein zeitloser Ort. Man kann sich den ganzen Tag treiben lassen, im See schwimmen, Schnorcheln, in der Hängematte liegen usw. Das taten wir dann auch. Beim Schnorcheln kann man den unglaublichen Reichtum an verschiedenen, meist endemischen Fischarten bewundern. Besonders sind vor allem die vielen Cichlidenarten, die auf der ganzen Welt als bunte Aquarienfische bekannt sind. Das Wasser ist sehr klar, und man kann einige Meter weit auf den steinigen Grund sehen.
Es war auch etwas ganz besonders durch die kleinen Dörfer der Insel zu laufen. Es ist alles sehr intim, aber die Leute freuen sich, und man lässt sich gerne anstecken. Man grüßt einfach jeden, dem man begegnet. Obwohl die Insel recht abgelegen liegt und klein ist, leben dort trotzdem 11000 Menschen als fast reine Selbstversorger. Auf den steilen Hängen und Hügeln weiden Ziegen, und wo es die Natur es zulässt wird Mais gepflanzt. Ich war erstaunt über die teils sehr kleinen Felder vor den Hütten und konnte mir kaum vorstellen, wie dieser sandige Boden die Menschen ernähren sollte. Aber offenbar tut er dies. Ich kann kaum aufhören zu betonen, wie warmherzig und freundlich die Menschen dort sind. Z.B. fragten David und ich zwei Jungs, die am Straßenrand saßen und genüsslich Mangos aßen, wo sie diese denn herhätten. Sie gingen mit uns zu einem großen Mangobaum. Ehe wir uns versahen, war der eine schon in der Krone des mächtigen Baumes verschwunden, und war nur noch anhand der sich schüttelnden Äste auszumachen. Wir lasen die heruntergefallenen Mangos auf und bedankten uns sehr herzlich. Auch wenn sie nichts verlangt haben, gab ich ihnen 100 Kwacha (etwa 25 Eurocent) und sie bedankten sich auch ganz herzlich. Ein andermal fragten wir eine Gruppe , die gerade ihr Fußballtraining beendet hatten, wo der schnellste Weg zurück sei. Sie sagten ihn uns nicht, sondern liefen mit uns die Strecke.

Sehr gut wurde uns auch geholfen, als David an einer mysteriösen “Blitzmalaria “erkrankte. Vormittags noch mit leichten Kopfschmerzen in der Hängematte gelegen, machten wir Mittags vorsichtshalber einen Malariatest, nachdem er sich sichtbar unwohl fühlte. Während der Wartezeit einer halben Stunde für den Test, kamen dann bei ihm noch Schüttelfrost, und starke Erschöpfung hinzu. Nun ja, der Test war negativ, aber was macht man in so einem Fall? Wir brachten ihn ins Krankenhaus. Das war auf der Insel nicht ganz so einfach. Wir mussten ihn mit dem Boot an den Strand der Kaya Mawa - Lodge bringen, von wo aus wir ihn in ein Auto hieven und ins Krankenhaus der Insel bringen konnten. Nach einer Injektion mit Antibiotika wurden ihm noch ein paar Pillen verschrieben und wir konnten ihn wieder mit zurück nehmen. Vermutlich war es ein Bazillus, den er nicht gewohnt war, und der den Körper, neben Durchfall und Dehydrierung durch das Klima etwas beansprucht hatte. Am nächsten Morgen war es schon einiges Besser. Dummerweise meldete sich dann bei mir ebenfalls eine Diarrhöe an, die mich dann noch weitere zwei Wochen plagte.

Paul, “ Mister Crocodile Dundee”, ein rot-braun gefärbter Südafrikaner mit längeren Haaren, der gerne wild-romantische Geschichten aus der Wildnis erzählte und schon in allen möglichen Anstellungen und diversen Ländern in Afrika gearbeitet hat, sah es vor, mit seinem Allradgeländewagen von Nkhata Bay aus nach Lusaka in Sambia zu fahren, und zwar zur gleichen Zeit, wie auch wir Likoma Island mit dem selben Ziel verlassen wollten. Henry und Tinika , das holländische Pärchen arbeiten zur Zeit in Lusaka an einer schulischen Einrichtung und hatten offensichtlich das gleiche Ziel. So geschah es, dass wir uns alle zusammen in Pauls Wagen wieder fanden, nachdem wir mit verschiedenen Booten Likoma verlassen hatten. Die anderen waren zwar schneller, dafür konnte ich im Boot auf einem großen Sack mit Trockenfisch ganz gut vor mich hindösen.
Wir schafften es abends noch bis nach Mzuzu. Von dort fuhren wir am nächsten Morgen weiter nach Nord-Westen , da wir die meist überfüllte, klassische Grenze über Chipata umgehen wollten und außerdem die Aussicht , ein paar Tiere im South Luangwa Nationalpark sehen zu können auch verlockend war. So kamen wir an verschiedenen Ortschaften vorbei. Es war der 23. 12 und einige Menschen waren in Feierlaune auch schon etwas angeschwippst auf den Straßen unterwegs.

on the road kleiner zwischenstopp

Einmal hielt Paul an, da er ein Chamäleon auf der Strasse gesehen hatte. Wir stiegen aus, sahen zwar das Tier nicht mehr, aber dafür viel uns auf, dass wir neben einer großen Bar, mitten im nirgendwo angehalten hatten. Etwa 50 Männer saßen auf kleinen Bänken unter den Dächern und begutachteten die Gäste. Ein paar machten sich auf den Weg und kamen zu uns. Das ganze war sehr ulkig, denn es bildete sich unter den fünf Männern eine Rivalität um unsere Aufmerksamkeit. Dabei hatte der eine, der offenbar eine Behinderung mit der Sprachmuskulatur hatte und von den anderen nur mit schrägen Grimassen und um den Kopf kreisenden Fingern kommentiert wurde, nicht die schlechteren Karten sich mitzuteilen. Bei den anderen Männern war nämlich die Wirkung des Alkohols schon soweit vorangeschritten, dass auch sie , wenn auch nur temporär, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. So stiegen wir, nachdem wir die Situation etwas erfasst hatten, und es keine großen Chancen gab der Situation noch etwas abzugewinnen, wieder in unser Auto, während die Männer sich im Kampf um Aufmerksamkeit etwas von uns ablenkten, und wir ohne große Widersprüche losfahren konnten.
Gegen 15 Uhr kamen wir an der Grenze an. Wir mussten noch ein, zwei Stündchen auf eine Person warten, die für die Zulassung des Autos zuständig ist, dann ging es zur sambischen Grenzstation. Dort hatten wir, so wie Paul meinte, auch Glück, denn der Beamte sei nett gewesen und hätte uns nicht versucht, über den Tisch zu ziehen. Paul schien bisher wohl noch nicht so gute Erfahrungen an sambischen Grenzen gemacht zu haben. Ebenfalls Schlechte Erfahrungen hatte Pauls Bruder, der in Sambia wohnt, mit den Strassen im South Luangwa Nationalpark während der Regenzeit. Er riet uns ab, dort mit einem Auto rein zufahren. Und da Paul leider kein Boot dabei hatte, fuhren wir Richtung Süden, über die Sambische Grenzstadt Chipata. Schon auf der M12 dorthin wäre man ohne Allradantrieb nur sehr schwer durchgekommen,. Große Schlaglöcher voller Wasser und viel Schlamm.

Während sich die Landschaft in Malawi auf kleinem Raum ständig wechselt und eher heimelig wirkt, muss man in Sambia einige hundert Kilometer fahren, bis man von endlos weiten, mit halbhohen Bäumen und Büschen bewachsenen ebenen in kleinere Täler und Flussgebiete kommt. Eine Spezialität in den dichter bewaldeten Tal und Hügellandschaften sind riesige weiße Pilze, deren Schirme bis zu 30 cm Durchmesser betragen können. Statt dem sonst üblichen Angebot an Mais und Tomaten werden dort die Pilze an der Strasse angeboten. Die Täler waren voller weißer und gelber Schmetterlinge und das ganze wirkte sehr paradiesisch. Leider konnten wir keinen Zwischenstopp dort machen, sondern preschten mit 140 über die Landstraße, die dank Asphalt sehr gut befahrbar war. So kamen wir am 24.12. in Lusaka an. Wir verabschiedeten uns von Paul und nahmen ein Taxi in ein Backpackers. Ich verbrachte Heiligabend mit meinem Durchfall im Bett, und kurierte mich noch einen weiteren Tag aus.

Dann ging es mit dem Bus nach Livingstone. Die Backpackerlodge “Jolly Boys” kann ich sehr empfehlen. Uns gefiel es dort so gut, gerade auch wegen der vielen anderen Touristen, dass wir gar keinen großen Anreiz hatten, dort groß etwas zu unternehmen. Außerdem hätten wir uns die Safaris oder Raftingtouren auf dem Sambesi sowieso nicht leisten können. So schauten wir uns die Viktoriafälle an, wanderten ein bisschen durch die Gegend und ließen es uns im Backpackers gut gehen. Da mein Durchfall immer noch nicht besser wurde, wollte ich die Chance wahrnehmen ins Krankenhaus zu gehen, und mir ein paar Medikamente verschreiben zu lassen. Nachdem man uns erstmal nicht so recht sagen konnte, an wen wir uns wenden sollten, sagte uns jemand wir sollten in die Beschneidungsabteilung für Jungs gehen. Dort wollte man mir aber nur für 100 000 Kwacha weiterhelfen, was ich mir nicht leisten konnte/ wollte.

Viktoriafälle oberhalb der Fälle Grenze Zambia/ Zimbabwe, auf der Brücke die Grenze Gangsters

Im Jolly Boys lernten wir Jaqcue und Katie kennen, die wie wir zurück nach Namibia wollten. Sie nahmen uns in ihrem Polo mit bis nach Divundu im Caprivistreifen in Namibia. Es war seltsam wieder zurück in diesem Land zu sein, nach dem was wir davor alles erlebt hatten. Es gab wieder an jeder Tankstelle einen Bankautomaten und Biltong zu kaufen und die Strasse wurde wieder von den großen Geländewagen der deutschen oder südafrikanischen Touristen beherrscht.
Die beiden fuhren uns von Divundu sogar noch ins Ngepi- camp - “ It`s just about 14 K`s”.

kleiner dunkler Fleck = dickes Nilpferd Ngepi-camp mehrere kleine dunkle Flecken im Wasser junger Baobab

Das Ngepi- camp liegt am Ufer des Okavango. Man kann dort auf einer großen Holzterrasse sitzen und den Nilpferden auf dem anderen Ufer beim Dösen zuschauen und selbst das gleiche tun. Es war schon seltsam in die Welt der Safaritouristen einzutauchen, die Abends beim Dinner ein ausgiebiges Mahl zu sich nahmen und erzählten, wie viele Elefanten sie doch schon gesehen hätten, nachdem wir das leben der armen Bevölkerung in Malawi und Sambia so unmittelbar erlebt hatten. An den Menschen ihres Urlaubslands schienen die meisten Besucher nicht so recht Interesse zu haben. Ich verfolgte das Gespräch eines namibischen Geschäftsführers und eines Schweizers über die Arbeitsmoral der Namibier. “ Das sind ja auch Menschen” , meinte der Schweizer, als der Namibier ( ursprünglich Südafrikaner) sich den Frust über seine Angestellten von der Seele geredet hatte.
Nach ein paar entspannten, jedoch recht ereignislosen Tagen sattelten wir unserer Taschen, und nachdem wir einen Lift zur Tankstelle in Divundu bekommen hatten, teilten David und ich uns auf, um nach einer Mitfahrgelegenheit zu suchen. Wir hatten Glück und ein Minibus kam vorbei, so dass wir etwa drei Stunden später 200 km weiter westlich in Rundu, nahe der angolanischen Grenze ankamen. Nachdem wir uns durch den Superspar und die masse an Menschen, die noch für Sylvester einkaufen wollten, hindurchgekämpft hatten, nahmen wir ein Taxi zu einem Campingplatz am Okavango. Es war ziemlich trostlos dort. Die einzigen Gäste waren ein paar Schweizer. Ich hatte ihr Wohnmobil in Divundu an mir vorbeifahren sehen, was ich im Zusammenhang im Gespräch über unsere Art des Reisens auch erwähnte. Letztendlich hatten wir es ja locker geschafft, doch ich war auch schon in Divundu etwas über die ganzen Europäer aufgebracht worden, die stur an uns vorbeifuhren. Da schafft man es auf einer Strecke über 2000 km auf fast autofreien Strassen mitgenommen zu werden, und da, wo es von Autos wimmelt, nimmt einen niemand mit.
Auf dem Campingplatz war Sylvester ziemlich trostlos . Auf der anderen Seite des Flusses feierten die Angolaner wie wild, bei uns waren es in erster Linie die Moskitos. Nach dem festgestellt hatten, dass die Angolaner seit Sylvester nicht mehr gewillt waren, ihre Musik abzustellen, reisten wir am 3. 1. 2013 zurück nach Windhoek. Das war dank einer guten Minibusverbindung auch sehr einfach, und so kamen wir gegen Abend bei strömendem Regen in Windhoek an. Plötzlich war unsere Reise vorbei, die Schule lag in ihrem kleinen Tal wie immer.

Dienstag, 04.12.2012

 

 

 
Dienstag, 04.12.2012

Die Problematik

Mit Trockenfleisch und Cola für die Nerven und gegen die zweiten oder dritten Ermüdungserscheinungen kann ich mich doch noch dazu bewegen, einen Eintrag zu machen.
In der letzten Woche ist hier so einiges passiert oder auch nicht passiert, was mir, David und den anderen Freiwilligen den Kopf verdreht. Da wäre erstmal der Vollmond! Mit dem hatte nämlich ich stark um meinen Schlaf zu kämpfen, der, da es hier einigen Kindern an Bewusstsein für den Schlaf anderer mangelt und ich daher des Öfteren mit lauten Schlägen gegen mein Zimmerfenster geweckt werde, für mich ohnehin schlecht steht.
Nun ja , es gibt da ein Problem, hervorgehend aus einem anderen, was wiederum neue nach sich zieht. Solch eine schöne Kette sehen wir als Freiwillige nun vor uns liegen , und sie ist ganz wunderbar geknüpft.
Also wäre da nicht die Armut, der Hunger und die Gier, die Menschen dazu nötigen oder verleiten, anderen unrechtmässiges zu tun, so wäre Davids Reisegeld noch auf seinem Konto( es ließe sich noch erörtern, ob die Sitaution der Verteilung von Geld auch gerecht ist, was aber zeittechnisch problematisch ist). Hätte das Reisebüro erwähnt, das der Betrag der Bearbeitungsgebüren nicht unerheblich ist, so hätte mir eher auffallen können, dass sich nicht genug Geld auf meiner Kreditkarte befindet. Somit hätten David und ich auch einen vergnüglichen Reiseeinkauf machen können. Hätten die Angestellten am letzten Freitag bei home affairs etwas mehr Elan gezeigt ( vielleicht hätte Trockenfleisch geholfen), wäre die Verlängerung unserer Visa womöglich schon in unserem Pass. Das ist sie allerdings nicht, wodurch sich das Problem ergibt, dass wir Namibia erst einmal nicht verlassen können. Wäre da die Wahl zwischen Gefängnis beim Versuch, die Grenze zu überqueren, oder aber man bliebe einfach hier an Ort und Stelle. Einfacher ist es zu sagen, dass unser Problem ja eigentlich die geplante Reise ist. Allerdings ist diese erst im Anschluss eines Seminars in Kapstadt, wodurch sich doch wieder mehrer Probleme aufzeigen.
Womit wir schon bei geplanter Reise sind. Nun ja, wir hatten noch Probleme mit dem Internet, wodurch das Planen nicht ganz einfach war.

 Besagte Reise führt von Kapstadt, wo das Seminar stattfindet , mit dem Flugzeug über Johannesburg nach Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. Dort werden wir, unserm Plan nach, einige Tage am Malawisee verbringen, bis uns der Impuls erreicht eine Reisemöglichkeit Richtung Sambia zu suchen. Mit etwas Glück und recht hoher Wahrscheinlichkeit werden wir eine solche in Form von Bus oder nettem PKW- fahrer finden. Es gibt eine gute Verbindung zwischen Lilongwe und Lusaka, der Hauptstadt von Sambia. Dazwischen soll man durch schöne Naturparks kommen und wir hoffen dort ein paar günstige Unterkünfte zu finden. Weiter soll die Reise dann über die Viktoriafälle und den Caprivistreifen zurück nach Windhoek verlaufen. Die Flüge sind gebucht, und die Reiseapotheke ist auch besorgt. Mit etwas Glück kommen wir dann in der ersten Januarwoche zurück nach Windhoek, wo wir dann noch ein weitere Ferienwoche verbringen können.

 Starten soll dieser hoffentlich ereignisreiche Reisemonat Morgen. Vorraussetzung ist das Visum , ohne das wir hier nicht rauskommen. Also ist die Spannung groß, denn es geht auch darum, ob wir unseren Freiwilligendienst überhaupt vorsetzen können. Ein Touristenvisum dürften wir für Namibia ohne Probleme bekommen, aber mit Problemen bekommt man es zu tun, wenn man mit einem solche Touristenvisum hier arbeitet. Der Flug von Kapstadt nach Lilongwe geht erst am 14. sodass wir diesen nicht verpassen dürften.

Ein bisschen Erholung und Ausgleich zu dem ganzen Chaos hier finde ich in der Gartenarbeit! Das Grünzeug wächst hier gut vor sich hin, besonders Tomaten, Paprika und Wassermelonen. Allerdings wird auch einiges abgefressen. Denn statt der Schnecken in Europa gibt es hier hübsche, aber ebenfalls sehr hungrige Heuschrecken. Gedanken muss man sich auch über die Paviane, den grabsüchtigen Nachbarshund oder den vergesslichen Gießbeauftragten machen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob da noch grün sein wird, wenn wir im Januar zurückkommen. Das ist aber kein richtiges Problem.

Hier noch ein paar Bilder unsere kleinen Gartens. Die Tomaten haben eine leichte Stickstoffüberdüngung. Ich vermute, das kommt durch das Grünzeug und den Pferdemist im Boden, die sich gerade zersetzen

 

Hier noch der Schulgarten, in dem ich auch ein paar Beete bepflanzt habe. Wichtig ist bei der starken Sonneneinstrahlung und dem wenigen Regen eine dicke Mulchschicht, damit der Boden weniger Erosion ausgesetzt ist. Ausserdem zersetzt sich das Mulchmaterial, und bildet nahrhaften Humus.

 

Auf dem Weg vom einem, zum anderen Garten. Unser Haus, das Officegebäude mit dem Lehrergarten davor und das Primaryschool Komplex

 

Sonntag, 28.10.2012

Eine kleine Reise, 22.10 -27.10.2012

Nach einigem Hin und Her haben wir es doch noch geschafft ein Auto zu organisieren. So konnten wir am 22.010 sogar unsere ursprünglich geplante Reise mit Rolf, einem 98er Mercedes (den Namen bekam er während der Fahrt), antreten.  Zu meinem Erstaunen nahm er unser Gepäck und natürlich uns vollständig auf, und wir konnten morgens ohne große Schwierigkeiten starten.

Unsere Route verlief über den Spreetshogte- Pass nach Sossusvlei , von dort nach Walvisbay und von Swakopmund aus wieder nach Windhoek.

Die erste Radkappe, die sich nach den ersten Hundert Kilometern auf der Schotterpiste von uns verabschiedete, trübte unsere Begeisterung über die Landschaft und die euphorisch angesehene Gesamtsituation nur wenig. Dass Rolf noch andere Dinge von sich geben würde, war uns noch nicht klar.                                                                       Die Hochsavanne, die Windhoek umgibt, wechselte ihr Bild allmählich. Es wird karger. Weniger Bäume, mehr Busch, weniger Busch, mehr Gräser, weniger Gräser, mehr Geröll. Vor dem Spreetshogte-Pass, den einst ein deutscher Farmer durch das Gebirge der großen Randstufe hauen ließ, wird die Piste entsprechend steiler und kurviger, bis man über die letzte Anhöhe poltert und die endlosen Weiten der Namib, durchzogen von einzelnen Gebirgskämmen erblickt. Hier gibt es, direkt vor dem Pass der vom Gebirge hinab Richtung Namib führt, einen Parkplatz. In der fahrtwindlosen Hitze hielten wir es dort jedoch nicht lange aus.                                                                                                   

Am Spreetshogtepass

So nahmen wir uns den Pass vor, mit 22 % Gefälle einer der steilsten in Namibia. Die Bremsen überhitzten und stanken fürchterlich, aber wir waren dann doch schneller unten als gedacht. Unten angekommen, sind es dann noch etwa 20 Kilometer bis zum Gecko-camp, eine Farm in einem Tal gelegen, mit Zeltplätzen und Unterkünften auf den umliegenden Hügeln. Auf einem solchen machten wir es uns dann auch gemütlich. Abends bekamen wir Besuch von einer Schweizer Reisegruppe. Die aus älteren Herrschaften bestehende Truppe versammelte sich alsbald um den Tisch, an dem die Mädels am Gemüse schnibbeln waren. Es gab ein großes Interesse an unserem Tun als Freiwillige, wie auch an der richtigen Technik des Gemüseschneidens, denn Rolf ließ es sich nicht nehmen, den Mädchen ein paar Ratschläge zu diesem Thema zu geben. Nach besagtem Rolf wurde dann auch unser Mercedes getauft, jedoch wohl eher aus dem Grund, dass Rolf uns mit den Worten “ Ich habe 4 Kinder, ich weiß wie das ist” 500 N-Dollar zusteckte. Bier und Gulasch wurde uns auch geschenkt.

Unser erstes Lager 

Am Mittwoch den 23. fuhren wir dann weiter nach Sossusvlei, jedoch mit einem längerem Aufenthalt in Solitaire ( Tankstelle, Bäckerei und ein kleiner Laden sind die einzigen Bestandteile dieses Ortes), aufgrund des vom Apfelkuchen herrührenden “ Fresskomas” und der geschätzten 40 grad C. Deshalb mussten wir uns am Nachmittag ziemlich sputen, um noch ein paar Eindrücke aus Sossusvlei mitnehmen zu können.
Das Sossusvlei liegt innerhalb des Namib Naukluft Park, und umfasst große Teile der Namibwüste in Namibia . Übernachten ist im Naturschutzgebiet nur mit einem speziellen Visum und in einem Camp gestattet, ab 20 Uhr müssen andere Besucher das Gelände verlassen haben. Manche Teile dürfen überhaupt nicht begangen oder befahren werden. Man findet wohl heute noch die Radspuren der ersten Siedler im roten Namibsand. Das Vlei, ein kleines Becken umgeben von den höchsten Dünen der Welt, füllt sich im Schnitt alle Zehn Jahre mit dem bei sehr starken Regenfällen wasserführenden Tsauchab. Da der Grundwasserspiegel im Vlei jedoch relativ hoch liegt, stellt es eine Oase in einer der trockensten Wüsten dar. Hier wachsen Kameldornbäume unter denen Oryxantilopen und Springböcke Schatten und Nahrung suchen.
Vom Sesriem-camp aus, das direkt am Einganstor zum Park liegt, führt eine 60 Kilometer lange Asphaltstrasse parallel zum Flussbett des Tsauchab durch den Park zum Vlei, die letzten fünf Kilometer sind jedoch nur zu Fuß oder per Allradantrieb zu bewältigen.
Wir hatten Glück, dass uns ein Fahrer die Strecke nicht mehr zu Fuß laufen lassen wollte, und uns Hin und Rückfahrt zum halben Preis einer einfachen Fahrt anbot. So konnten wir uns noch das Vlei ansehen, und hatten danach sogar noch Zeit, Düne 45 zu besteigen. Sie hat zwar keine 350 Meter Höhe wie “ Big Daddy” aber die 175 Meter nahmen auch schon eine gute halbe Stunde in Anspruch.                                                                  

Auf der Straße zum Sossusvlei Sossusvlei Düne 45 David kämpft sich vor  Auf Düne 45

Nach dem Sonnenuntergang fuhren wir dann zügig wieder zum Camp zurück, wo wir dann unsere Zelte unter einem riesigen Kameldornbaum und einer aufdringlichen Webervogelkolonie aufschlugen. Einige Mitglieder letzterer schnappten ein paar mal aus dem Flug nach unseren Butterbroten und entledigten sich dem bereits Verdauten über unseren Köpfen.

Im Sesriem Camp mit Rolf und Webervogelkolonie

Die längste Strecke durch die Wüste erwartete uns am Donnerstag. Nach einem Gemütlichen Frühstück und einem kurzen Zwischenstopp in Solitaire (Apfelkuchen), fuhren wir dann planmäßig Richtung Walvisbay. Weniger nach Plan war, dass uns ein recht unbehagliches Geräusch, ausgehend vom linken Vorderrad unseres Rolfs einige Sorgen bereitete. Wir fuhren noch ein paar Kilometer, dann fiel mir jedoch der flatternde Reifen auf (nachdem uns davor die zweite Radkappe abgesprungen war). Also hielten wir an, gerade zwischen zwei Pässen, 80 km von Solitaire und 150 von Walvisbay entfernt. Wir vermuteten es habe etwas mit dem Rad an sich, oder der Bremsscheibe zu tun, und ärgerten uns schon über die Herren, die uns ein paar Tage zuvor die Reifen gewechselt hatten. Wir zogen die Schrauben also etwas fester, aber nach einem Rollversuch über ein paar Metern war klar, dass es etwas anderes sein musste. Wir hatten Glück, dass ein paar Autos vorbei kamen. Eine ältere Dame machte ein paar Fotos von unserer misslichen Lage, und bemerkte sie könne uns wohl nicht helfen. Ein Pärchen fuhr David und mich zum nächsten Pass, da sie dort noch ein paar andere Menschen gesehen hatten. Außer einem verlassen Auto und ein paar weiteren unguten Geräuschen, jedoch am Auto unserer Helfer, brachte dies jedoch nichts. Ein Mann, der Richtung Walvisbay unterwegs war, kontaktierte jedoch dort einen Abschleppdienst, und gab ihnen unsere Nummer. In der Zwischenzeit hatten wir aber unseren Mut wieder gesammelt, und fuhren, je nachdem wie holperig die Piste war zwischen 10 und 70 Km/h Richtung Walvisbay an der Küste. Nach den Pässen durch die Canions wurde die Landschaft immer flacher, und die Strasse immer gerader. Irgendwann kam es mir so vor, als könnte ich alles sehen, was die Erdkrümmung zulässt. Sand, Geröll, ein paar Gräser und eine schnurgerade Schotterpiste bis zum Horizont.                                                                                         Als sich allmählich eine Beule an der Motorhaube, oberhalb des Rads abzeichnete , erkannten wir, was unserem Rolf fehlte. Es war die Halterung des Stoßdämpfers, der sich nun, zwar noch in einer Röhre sitzend nach oben und unten austoben konnte, ohne dabei dem Rad und dem Auto seine stoßdämpfende Eigenschaft zuzusprechen.                Letztendlich schafften wir es zum Sonnenuntergang in Walvisbay an der Küste anzukommen. Wir gönnten uns ein Chalet (wir bekamen es günstiger, da die Leute Mitleid mit uns hatten) und einen Restaurantbesuch.                                                                     In der Werkstatt hatten sie das Teil für die Halterung nicht, und so fuhren wir am nächsten Morgen nach Swakopmund. Die 30 km Asphaltstrasse wahren auch kein Problem mehr. Nur konnten wir nicht allzu schnell fahren, und so verursachten wir einen ziemlich langen Stau hinter uns. Stan, ein Ex-deutscher Mercedes-schrauber, zu dem man uns geraten hatte, machte einen sehr lieben Eindruck, und wechselte uns den einen Stoßdämpfer und beide Halterungen für einen Sonderpreis aus. Wir erfuhren eine sehr große Unterstützung und es macht mich sehr glücklich, dass ich durch diese Erfahrungen den Eindruck habe, in einem Land zu sein, in dem sich gegenseitig geholfen wird.

Während Rolf im Autokrankenhaus war, erkundeten wir ein wenig Swakopmund. Es ist ein Ferienort, der besonders wenn es  zwischen Dezember und Februar im Landesinnern sehr heiß ist von allen die es sich leisten könne überfüllt wird. Doch auch jetzt, außerhalb der Saison, war es schon recht gefüllt. Die Einkaufsstrasse war gut besucht, und wir mussten erst einmal ein wenig fahren, um eine freie Unterkunft zu bekommen. Das Stadtbild ist von deutschen Kolonialbauten geprägt, genauso wie Strassennamen wie Bismarck, oder Leutweinstrasse auf die deutsche Vergangenheit hinweisen. Letztendlich bot Swakopmund als Stadt wenig Reize. Für Aktivitäten außerhalb der Stadt hatten wir kein Auto und wohl auch nicht mehr so recht Lust.
So fuhren wir, nachdem Rolf wieder fit wahr, am nächsten Morgen die 350km zurück nach Windhoek.
Panne in der Wüste

Dienstag, 16.10.2012

16.10

In diesem Eintrag werde ich ein wenig über die letzten Ereignisse hier berichten, wobei vorn weggesagt, sich nichts überaus sensationelles ereignet hat. Außer vielleicht meine immer noch anhaltende Diarrhöe…
Erst einmal zum schulischen. Nachdem meine Kollegin in der Boma nach bereits zwei Wochen wieder gekündigt hatte, kam der Entschluss meiner Leiterin, die beiden Afternooncare- Gruppen wieder im Honeyhouse, dem größeren Gebäude, indem sich Vormittags auch die Vorschulklasse aufhält, wieder zu vereinigen. Dies bedeutet, dass wir (27 Menschen) unser Mittagessen nun alle zusammen einnehmen, die Älteren ihre Mittagspause nach wie vor in der Boma verschlafen, die Lerngrüppchen sich auf beide Gebäude verteilen, wir als Betreuer jedoch freier sind auszusuchen, wer wann wo wie was machen kann. Daher haben sich sowohl mein Umfeld, als auch die Kinder mit denen ich arbeite etwas geändert. So habe ich nicht mehr nur mit den Ganzstarken, sondern auch mit den Halbstarken zu tun, bin mal hier und mal dort. Nach zwei Tagen kann ich nun bereits sagen, dass diese neue Ordnung für mich sehr fruchtbar erscheint, sowohl für mich, als auch für die Kinder; und einige derer, die zuvor zu nichts zu bewegen waren, in dieser neuen Gruppenkonstellation tatsächlich bereits etwas zu tun gewillt scheinen!

In der Vorschulklasse gibt mir die Lehrerin mittlerweile die Freiheit, den Malunterricht/ Wasserfarben- Schmierspaß selbst zu gestalten und zu leiten. Ich hatte bisher erst zwei solcher Stunden, aber es macht wirklich Freude zu sehen, wie Kinder die Farben entdecken., mit einer Zitronengelb gegen den bereits in Dunkelblau leuchtenden Hintergrund ankämpfend ein Blaugrün anmischen, und enttäuscht von dieser unspektakulären, ja vielleicht sogar als “ eklig” zu empfindenden Farbe, das ganze Bild mit roten Smileys  auskleiden.

Eher traurig erscheint mir das Nachtleben in Windhoek, wobei schwer anzunehmen ist, dass es in Katutura, dem Township, ganz anders zugeht. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, mit jemanden von dort die Clubs und Bars kennen zu lernen, werden wir uns das natürlich nicht entgehen lassen, denn dort lebt die Mentalität der Herero, Nama, Ovambo, Damara, usw., also der afrikanischen Kulturen die in diesem großen Land heimisch sind, und wird nicht wie in den Wohnorten der reicheren Bevölkerungsschichten von der aus Angst geprägten Anonymität des Stacheldrahtes zum schweigen gebracht. Eine Lehrerin hat uns sogar ein Angebot gemacht, eine Houseparty, wohlgemerkt in ihrem Haus in Katutura, für uns zu schmeißen. Mal sehen was passiert.
Geht man im Stadtzentrum in eine Bar oder einen Club, kann man davon ausgehen, dass man kaum viele Leute antreffen wird. Die “Normalverdiener“, die sich in solchen Kreisen bewegen würden, sind einfach sehr schwach vertreten. Tendenziell verbringt man sein Wochenende eher im  Township oder auf der Lodge. Im Übrigen sind die Preise in der Gastronomie im Vergleich zu anderen Sektoren noch recht wenig gestiegen. Wir hatten das Glück die eher ungewöhnliche Erfahrung zu machen, eine Bar zu finden, in der uns, sobald sich der Inhalt des Glases dem Ende näherte, sofort etwas neues gebracht wurde, ohne das man bestellte, geschweige denn zahlen musste. Am Ende des Abends musste man die Menschen bitten, einem nichts mehr zu bringen, sie baten uns, den Geldbeutel eingesteckt zu lassen. Letztendlich machen die beiden Barkeeper einen ganz netten Eindruck. Wir haben uns gut unterhalten und etwas kennen gelernt. Beide möchten demnächst in der Ukraine ein Studium beginnen.

Die Gartenpläne realisieren sich allmählich. Die Saat von Tomaten, Paprika, Wassermelonen, Zucchini und Kräutern keimen mittlerweile in Töpfchen vor sich hin. Nur unsere Grube, die muss noch ein wenig wachsen und noch weiter mit diversen Medien befüllt werden. Mal sehen, ob wir das noch bis zu den Ferien nächste Woche schaffen.

Da zwei gute Angebote für Autos sozusagen implodiert sind, wir von einem Kauf jedoch schon ausgingen und dementsprechend für die Ferien geplant hatten, lässt sich eine größere Tour über Sossusvlei, dem Ort mit den welthöchsten Dünen ( um die 300 m ), durch die Namib nach Swakopmund an der Küste wohl leider nicht realisieren. Wahrscheinlich fahren wir mit einem Bus direkt nach Swakopmund und hoffen von dort ein paar kleinere Ausflüge unternehmen zu können. Ich freue mich auf jeden Fall auf ein 19 Grad kaltes Meer mit sehr dichtem Haibestand. So dicht, dass die Menschen die schönen Tiere dort vom Strand aus fangen. Sie wieder schwimmen zu lassen ist sinnvoller weise per Gesetz vorgeschrieben. Desweiteren ist Swakopmund aufgrund der Kolonialgeschichte vom Stadtbild ziemlich deutsch. Noch skurriler macht das ganze dann wohl die Schwarzwälder Kirschtorte die es dort zu essen geben soll. Ich finde das hört sich auf jeden Fall spannend an, und so werde ich hoffentlich in zwei Wochen davon berichten können.

Sonntag, 30.09.2012

Ein paar Bilderchens

 

Umgebung der Waldorfschool Windhoek

 

                             

Marie, David und ich (der mit dem Hut)

Josefine und Friderike (mit ihrer Erlaubnis hochgeladen)

Sonntag, 30.09.2012

ein paar Impressionen

Ich hoffe die Qualität stimmt noch, wenn ich das hochlade...

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.